Kirchengemeinde Wilster - Ein Leben in Gemeinschaft Freitag, 06. Dezember 2019 - 01:15 Uhr
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Erinnerung – gegen das Vergessen

Konzert „In Memoriam“ am 9. November mit Hartwig Barte-Hanssen, Karin Lewandowski und Franziska Mohrdiek

Norddeutsche Rundschau / Ilke Rosenburg

Mit ihren Instrumental- und Gesangsbeiträgen wollen Hartwig Barte-Hanssen (Orgel), Karin Lewandowski (Gesang) und Franziska Mohrdiek (Gesang) das Publikum dazu anregen, über Reichspogromnacht, 70 Jahre Bundesrepublik, 30 Jahre Mauerfall und 100 Jahre Frauenwahlrecht nachzudenken. „In Memoriam“ lautet der Titel des Konzerts, das die drei Musiker am Sonnabend, 9. November, in der St. Bartholomäus-Kirche gestalten. Beginn ist um 18 Uhr.

Die Musik zur Erinnerung – und gegen das Vergessen – erklingt in verschiedenen Facetten und wird Ausdruck des Gedenkens an bewegende historische Momente in Deutschland sein. Dazu werden die Künstler unterschiedliche Stile zu Gehör bringen.

Nach dem außerordentlich eindrucksvollen Konzert des vergangenen Jahres anlässlich der Reichspogromnacht 80 Jahre zuvor, haben Besucher geäußert, dass das Gehörte auf einem wohl nicht mehr zu toppenden Niveau präsentiert worden sei. Und doch haben sich die Drei entschieden, erneut gemeinsam das Konzert „In Memoriam“ zu geben. „Es geht gar nicht darum, das Konzert 2018 zu toppen“, sagt Karin Lewandowski. Sondern vielmehr weiterzumachen, „weil uns das wichtig ist“. Lewandowski, Barte-Hanssen und Mohrdiek wollen eine regelmäßige Erinnerungskultur entwickeln. Gerade im Hinblick auf wiederkehrende Anschläge auf Synagogen, „darf man solche Erinnerungen gar nicht bleiben lassen“, betont Lewandowski.

Man müsse es regelmäßig tun und damit deutlich machen: „Wir vergessen hier gar nichts! Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Schwestern und Brüder.“ Darum sind auch Vertreter der jüdischen Gemeinden in Pinneberg und Elmshorn eingeladen worden.

Die Neonazi-Drohungen in Sühlfeld hätten gezeigt, dass rechtsextreme Gewalt nicht nur auf ostdeutsche Länder beschränkt ist, sondern auch in Schleswig-Holstein droht. In Sühlfeld stehe ein ganzes Dorf gegen Rechts zusammen. „Man darf nicht abtauchen“, fügt Lewandowski hinzu.

„Das Thema ist einfach ganz wichtig“, unterstreicht Hartwig Barte-Hanssen, und auch Franziska Mohrdiek liegt es darum am Herzen, mitzumachen. Sie hat sich für Freiheitslieder entschieden, die sie im Konzert singen wird. „Es geht um die Freiheit und die Selbstständigkeit der Menschen. Und es geht darum, dass man nicht wegguckt, sondern hilft.“ Als Ausdruck dessen hat sie Stücke gewählt, die zeitübergreifend sind: von „Die Gedanken sind frei“ über „Somewhere over the rainbow“, „Bird on a Wire“ und „Close every door“ bis hin zu „Wind of change“ und „People help the people“.

Karin Lewandowski wird plattdeutsche Lieder nach Texten von Klaus Groth singen. Stücke, die man selten oder vielleicht auch noch gar nicht gehört hat – „völlig jenseits von Lütt Matten“. Groth habe über Armut, Verluste und Kummer geschrieben, Anrührendes verfasst. Und so wird Lewandowski das Hartleed (Herzeleid), Verlarn, De junge Wittfru und He sä mi so veel zu Gehör bringen. In einem zweiten Part wird sie jiddische Lieder vortragen wie „’Ss brent, Brider“ (ein Städtchen brennt, und alle gucken nur zu) sowie „Mir lebn ejbig“. „Und dann singe oder lese ich noch Wolf Biermanns Ermutigung“, ergänzt sie.

Die dritte musikalische Säule wird die Orgelmusik sein. Hartwig Barte-Hanssen spielt Klezmer-Kapriolen von Christoph Brückner und „An Friedensufern“ von Herfried Mencke. Erklingen wird auch eine Eigenkomposition Barte-Hanssens: „In memoriam Dietrich Bonhoeffer“. „Auch, um zu zeigen, dass es Menschen gab, die aufgestanden sind“, erklärt er. Ganz zum Schluss wird das Publikum dann „Alle Menschen werden Brüder“ (Bert Koelewijn) hören.

Der Eintritt an diesem Abend ist frei, um eine Kollekte wird gebeten. Diese soll auf Wunsch der drei Künstler für Stolpersteine gegen das Vergessen verwendet werden. Sie sollen in der Stadt an Opfer des Naziregimes in Wilster erinnern.